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Transformation der Fernwärme in Halle (Saale)

Unsere Technologie-Optionen im Überblick

Die Wärmewende ist eine der zentralen Herausforderungen auf dem Weg zu einer klimaneutralen Zukunft. Als Energieversorger tragen wir Verantwortung, unsere Fernwärmeversorgung nachhaltig, wirtschaftlich und zukunftssicher zu gestalten. Unser Ziel ist klar: Bis 2045 wollen wir unsere Wärme vollständig klimaneutral erzeugen – unabhängig von fossilen Brennstoffen und den steigenden CO₂-Kosten.

Dafür prüfen wir verschiedene technologische Optionen, die heute und in Zukunft eine zuverlässige und umweltfreundliche Wärmeversorgung ermöglichen können. Dazu zählen unter anderem erneuerbare Energiequellen, innovative Speicherlösungen sowie effiziente Umwandlungstechnologien. Jede dieser Optionen wird sorgfältig bewertet – etwa hinsichtlich ihrer Verfügbarkeit, Wirtschaftlichkeit, Fördermöglichkeiten und ihrer langfristigen Perspektive.

Die hier vorgestellten Ansätze spiegeln den aktuellen Stand unserer Untersuchungen wider. Da sich technologische Entwicklungen, politische Rahmenbedingungen und wirtschaftliche Faktoren stetig verändern, können sich auch unsere Bewertungen und Prioritäten im Laufe der Zeit anpassen.

Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick über die unterschiedlichen Ansätze, die wir derzeit untersuchen.

 

Umweltwärme

Umweltwärme nutzt die natürlich vorhandene Energie aus Luft, Wasser oder dem Erdreich. Mit Technologien wie der Wärmepumpe wird diese Wärme aufgenommen und für Heizung und Warmwasser nutzbar gemacht. So kann erneuerbare Energie direkt aus unserer Umgebung effizient eingesetzt werden – auch bei niedrigen Temperaturen.

Tiefengeothermie liefert ganzjährig, wetterunabhängig Wärme für die Fernwärme. Über Förderbohrungen wird Erdwärme aus mehreren Kilometern Tiefe gewonnen und die Energie per Wärmetauscher ins Fernwärmenetz eingespeist.

  • Voraussetzung: geeignete Geologie
  • Technologie: Tiefengeothermie
  • Verfügbarkeit: nach 2035
  • Status: in Planung
  • Leistung: hoch
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: hoch

Die 3,3‑MW-Pilotanlage liegt im Norden von Halle (Saale) auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz (Brachwitzer Straße). 374 Kollektoren liefern ca. 1.400 MWh Wärme/Jahr: Ein Wasser‑Glykol‑Kreislauf wird in den Kollektoren erhitzt und gibt die Energie per Wärmetauscher ans Fernwärmenetz ab. Einsparung: 280 t CO₂/Jahr.

  • Technologie: Flachkollektoren
  • Verfügbarkeit: seit 2018
  • Status: in Betrieb
  • Leistung: niedrig

Klärgas wird seit 1998 in der Kläranlage Halle-Nord erzeugt, zwischengespeichert und durch Blockheizkraftwerke mit Hilfe des Prinzips der Kraft-Wärme-Kopplung zu Strom und Wärme umgewandelt. Die Wärme wird in das Fernwärmenetz eingespeist und leistet somit einen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme.

  • Technologie: Blockheizkraftwerk
  • Verfügbarkeit: -
  • Status: wird gerade realisiert
  • Leistung: -
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: -

Mit Hilfe einer Wärmepumpe wird der Saale Wärme entzogen und auf ein höheres Temparaturniveau gebracht. Diese Wärme kann dann für Heizungen und Warmwasser verwendet werden.

  • Technologie: Großwärmepumpe
  • Verfügbarkeit: -
  • Status: iG30?
  • Leistung: mittel
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: niedrig

Klimaneutrale Brennstoffe

Klimaneutrale Brennstoffe wie grüner Wasserstoff oder Biogas ermöglichen es, Wärme zu erzeugen, ohne zusätzliches CO₂ in die Atmosphäre abzugeben. Sie werden aus erneuerbaren Energiequellen hergestellt oder aus natürlichen Kreisläufen gewonnen und können in bestehenden Anlagen genutzt werden, um die Wärmeversorgung nachhaltiger zu gestalten.

Aus halleschen Abfällen wird bereits heute Ersatzbrennstoff hergestellt, der andernorts zur energetischen Nutzung verbrannt wird. Perspektivisch könnte eine solche Ersatzbrennstoffanlage auch in Halle (Saale) errichtet werden und Fernwärme erzeugen. Als Standort wird hierfür der Energiepark Halle-Trotha geprüft.

  • Technologie: Kessel in bestehender KWK-Anlage
  • Verfügbarkeit: ab 2030
  • Status: in Planung
  • Leistung: mittel
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: niedrig

Als mögliche Option wurde die energetische Nutzung der in Halle anfallenden biogenen Reststoffe zur Biogaserzeugung betrachtet. Das damit verbundene Wärmepotenzial – überwiegend aus Biotonneninhalten und biogenen Anteilen der Restmüllfraktion (schwarze Tonne) – liegt bei 6,1 GWh/a.

  • Technologie: bestehende KWK-Anlage
  • Verfügbarkeit: -
  • Status: Idee
  • Leistung: niedrig
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: mittel

Das Kraftwerk in der Dieselstraße ist technologisch bereits H₂-ready. Schon heute könnten bis zu 30 % Wasserstoff zur Stromerzeugung eingesetzt werden.

  • Technologie: bestehende KWK-Anlage
  • Verfügbarkeit: nach 2040
  • Status: Idee
  • Leistung: niedrig
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: hoch

  • Technologie: Warmwasserspeicher
  • Status: in Betrieb
  • Leistung: niedrig

Die Power-to-Heat-Anlage funktioniert wie ein Tauchsieder. Der Tauchsieder, ein riesiger Elektrodenkessel, nutzt den Strom, um Wasser zu erhitzen. Das warme Wasser kann direkt verwendet oder im Energie- und Zukunftsspeicher vorgehalten werden. 

  • Technologie: Elektrodenkessel
  • Verfügbarkeit: seit 2024
  • Status: in Betrieb
  • Leistung: mittel

Abwärme

Abwärme entsteht als Nebenprodukt in Industrie, Rechenzentren oder anderen Prozessen und bleibt oft ungenutzt. Durch intelligente Systeme kann diese Wärme aufgefangen und in Fernwärmenetze eingespeist werden. So wird bereits vorhandene Energie sinnvoll weiterverwendet und der Gesamtenergiebedarf reduziert.

In verschiedenen industriellen Prozessen entsteht Abwärme, die in das Fernwärmenetz eingespeist werden kann.

  • Technologie: Wärmepumpe
  • Verfügbarkeit: -
  • Status: Idee
  • Leistung: niedrig
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: niedrig

Das geplante Rechenzentrum in der Nähe des Energieparks Dieselstraße bietet eine der größten Optionen zur Dekarbonisierung der Fernwärme in Halle.

  • Technologie: Wärmepumpe
  • Verfügbarkeit: ab 2030
  • Status: in Planung
  • Leistung: hoch
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: mittel

Überschüssige Wärme im Sommer wird in die neue EVH‑Fernwärmetrasse eingespeist. Im Gegenzug bezieht die Kläranlage Wärme im Winter über eine Fernwärme‑HAST aus dem Netz. Das schafft saisonalen Ausgleich, erhöht Versorgungssicherheit, ersetzt Erdgas und unterstützt grüne Wärme.

  • Technologie: Wärmepumpe
  • Verfügbarkeit: ab 2030
  • Status: wird gerade realisiert
  • Leistung: mittel
  • Wahrscheinlichkeit der Umsetzung: mittel?

Die Kälte wird zukünftig durch Wärmepumpen erzeugt und die Abwärme als klimaneutrale Wärme ins Fernwärmenetz eingespeist. Dadurch werden die beiden erzeugten Energieformen (Wärme und Kälte) direkt und effizient genutzt. Durch einen neuen Kaltwasserspeicher werden die Kältelieferung und das Gesamtsystem zudem flexibler und sicherer. Der für die Wärmepumpen notwendige Strombedarf soll zu einem großen Anteil durch Photovoltaik-Anlagen direkt am Standort des „Energieparks Dieselstraße“ gedeckt werden.