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Transformation der Fernwärme in Halle (Saale)

Gemeinsam auf dem Weg zur klimaneutralen Wärmeversorgung

Die Transformation unserer Fernwärme ist ein zentraler Beitrag zur Energiewende. Denn Wärme macht einen wesentlichen Teil des Energieverbrauchs aus – und damit auch der CO₂-Emissionen. Gleichzeitig tragen wir Verantwortung, auch zukünftig eine verlässliche, wirtschaftliche und sichere Versorgung für Halle zu gewährleisten.

Mit dem von der Stadt Halle (Saale) beschlossenen kommunalen Wärmeplan wurde ein strategischer Rahmen für die zukünftige Wärmeversorgung geschaffen. Er bestätigt die wichtige Rolle der Fernwärme für die Wärmewende in Halle und zeigt Potenziale für ihre Weiterentwicklung auf.

Als Wärmeversorger setzen wir diesen Transformationsprozess konkret um. Unser Ziel ist es, die Fernwärme bis 2045 vollständig klimaneutral zu erzeugen. Dafür prüfen und entwickeln wir verschiedene technische und energetische Optionen – von der Nutzung erneuerbarer Energien über Abwärme bis hin zu innovativen Technologien.

Wann und in welchem Umfang diese Lösungen umgesetzt werden, hängt von politischen Vorgaben, technologischen Entwicklungen, Förderbedingungen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Deshalb entwickeln wir unseren Transformationspfad kontinuierlich weiter und machen die nächsten Schritte transparent nachvollziehbar.

Auf dieser Seite zeigen wir, wo die Fernwärme in Halle heute steht, welche Projekte wir bereits umsetzen und wie unser Weg zu einer klimaneutralen Wärmeversorgung aussieht.

Wo stehen wir heute?

Aktuell wird die hallesche Fernwärme überwiegend in den Energieparks Dieselstraße und Trotha auf Basis von Erdgas erzeugt. Damit stammen noch rund 99,7 % der Fernwärmeerzeugung aus konventionellen Quellen, während etwa 0,3 % bereits regenerativ erzeugt und eingespeist werden. Gleichzeitig haben wir bereits erste wichtige Schritte in Richtung klimafreundliche Fernwärme umgesetzt und nachfolgende innovative Technologien in das System integriert. Ergänzt wird das heutige System bereits durch erneuerbare Einspeisung: In Trotha liefert eine Solarthermieanlage klimafreundliche Wärme direkt ins Netz.

Einblick in die Power-to-Heat-Anlage im Energiepark Dieselstraße

Mit der 2023 in Betrieb genommenen Power-to-Heat-Anlage im Energiepark Dieselstraße nutzen wir überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energien zur Wärmeerzeugung. So kann erneuerbarer Strom in Form von Wärme gespeichert und bei Bedarf genutzt werden – ein wichtiger Baustein für die Integration volatiler erneuerbarer Energien.

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Kraft-Wärme-Kopplung symbolisiert mit einem Turbine-Icon

…ist ein Verfahren zur gleichzeitigen Erzeugung von Strom und nutzbarer Wärme in einer Anlage. Dabei wird die bei der Stromproduktion entstehende Abwärme nicht ungenutzt abgeführt, sondern für Heizzwecke (z. B. Fernwärme) weiterverwendet. Dadurch wird der eingesetzte Brennstoff deutlich effizienter genutzt und der Gesamtenergieverlust reduziert.

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Der Energiepark Dieselstraße mit dem Energie- und Zukunftsspeicher.

Mit dem Energie- und Zukunftsspeicher hat die EVH bereits frühzeitig die Voraussetzungen geschaffen, um die Fernwärmeversorgung in Halle (Saale) schrittweise auf erneuerbare und klimafreundliche Energiequellen umzustellen. Als zentrale Speicherinfrastruktur unterstützt er die Integration neuer Wärmeerzeuger und trägt dazu bei, die Wärmewende in Halle zuverlässig und wirtschaftlich umzusetzen.

Der Speicher ermöglicht es, Wärme unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Erzeugung bereitzustellen. Überschüssige Wärme kann aufgenommen und bei Bedarf wieder in das Fernwärmenetz eingespeist werden. Dadurch lassen sich erneuerbare Wärmequellen und innovative Technologien wie Großwärmepumpen, Geothermie oder die Nutzung von Abwärme deutlich effizienter einsetzen.

Gleichzeitig erhöht der Energie- und Zukunftsspeicher die Flexibilität des Gesamtsystems, stärkt die Versorgungssicherheit und reduziert den Bedarf an fossilen Energieträgern. Damit leistet er bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme und schafft die Grundlage für eine nachhaltige Wärmeversorgung der Zukunft.

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Solarthermie-Anlage zur Nutzung von Sonnenenergie

Die 3,3‑MW-Pilotanlage liegt im Norden von Halle (Saale) auf dem ehemaligen Kohlelagerplatz (Brachwitzer Straße). 374 Kollektoren liefern ca. 1.400 MWh Wärme/Jahr: Ein Wasser‑Glykol‑Kreislauf wird in den Kollektoren erhitzt und gibt die Energie per Wärmetauscher ans Fernwärmenetz ab. Einsparung: 280 t CO₂/Jahr.

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Unser Ziel: Treibhausgasneutrale Fernwärme bis 2045

Marktplatz mit Händel-Denkmal

Grundlage für den Umbau unserer Wärmeerzeugung ist der Wärmetransformationsplan der EVH. Dieser sieht vor, die Fernwärmeversorgung bis spätestens 2045 treibhausgasneutral zu gestalten. Damit leisten wir einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz und zur Umsetzung der Energiewende in Halle.

Gleichzeitig geht es bei der Transformation nicht nur um Klimaziele, sondern auch um die langfristige Stabilität unseres Energiesystems. Unser Ziel ist es, die Fernwärmeversorgung schrittweise unabhängiger von fossilen Brennstoffen und internationalen Energiemärkten zu machen. Damit reduzieren wir auch die Anfälligkeit gegenüber geopolitischen Krisen und Preisschwankungen und stärken die Versorgungssicherheit vor Ort.

Ein weiterer zentraler Anspruch ist die Bezahlbarkeit der Wärmeversorgung. Die Transformation wird so gestaltet, dass sie langfristig wirtschaftlich tragfähig bleibt und eine verlässliche Preisentwicklung für Kundinnen und Kunden ermöglicht.

Auf dem Weg dorthin haben wir uns ambitionierte Zwischenziele gesetzt:

  • 30 % grüne Wärme bis 2030
  • 80 % grüne Wärme bis 2040
  • 100 % treibhausgasneutrale Fernwärme bis 2045

Diese Zielpfade geben Orientierung für den schrittweisen Umbau unserer Erzeugungsstruktur und schaffen Planbarkeit für die kommenden Jahrzehnte.

Wie erreichen wir diese Ziele?

Die Fernwärme in Halle zählt bereits heute zu den wichtigsten Bausteinen einer klimafreundlichen Energieversorgung. Gleichzeitig stehen wir vor der Herausforderung, den verbleibenden fossilen Anteil konsequent zu ersetzen. Um die Fernwärmeerzeugung schrittweise zu dekarbonisieren, prüfen wir daher unterschiedliche Technologien und Wärmequellen. Welche dieser Lösungen künftig umgesetzt werden, hängt neben der technischen Machbarkeit auch von wirtschaftlichen, regulatorischen und technologischen Rahmenbedingungen ab.

Mit dem Bau einer Großwärmepumpe am Klärwerk Halle-Nord (Lettin) treibt die EVH die Wärmewende in Halle (Saale) aktiv voran. Künftig wird die im gereinigten Abwasser enthaltene Energie genutzt, um klimafreundliche Wärme für das Fernwärmenetz bereitzustellen. Damit entsteht eine nachhaltige Wärmequelle, die die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern reduziert und die Versorgung langfristig sicherer sowie stabiler macht.

Die Anlage nutzt die ganzjährig verfügbare Wärme des gereinigten Abwassers und hebt deren Temperaturniveau mithilfe elektrischer Energie auf das für die Fernwärme erforderliche Niveau an. Aufgrund der vergleichsweise hohen Temperaturen des Abwassers kann die Umweltenergie besonders effizient genutzt werden.

Ein besonderes Merkmal des Projekts ist der Einsatz des natürlichen Kältemittels Isobutan. Die geplante Anlage ist die erste Abwasser-Großwärmepumpe dieser Art in Deutschland und setzt damit neue Maßstäbe für eine innovative und klimafreundliche Wärmeversorgung.

Durch die Nutzung dieser bislang ungenutzten Energiequelle können jährlich rund 16.000 Tonnen CO₂ eingespart werden. Gleichzeitig leistet das Projekt einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung der Fernwärme in Halle und kann deren klimaneutralen Anteil um bis zu 20 Prozent erhöhen.

Abwärme aus Rechenzentren bietet großes Potenzial für eine klimafreundliche Fernwärmeversorgung. Die bei der Serverkühlung entstehende Wärme wird über Wärmetauscher ausgekoppelt und mithilfe einer Großwärmepumpe auf das für das Fernwärmenetz erforderliche Temperaturniveau angehoben. Anschließend wird sie in das Fernwärmenetz eingespeist.

Rechenzentren eignen sich aufgrund ihrer kontinuierlich anfallenden Abwärme besonders als zuverlässige Grundlastquelle. Zusätzliche Wärmebedarfe, etwa an sehr kalten Tagen, können durch weitere Erzeugungsanlagen gedeckt werden.

Zur Nutzung dieser Potenziale führt die EVH GmbH derzeit Vorgespräche mit zwei Rechenzentrumsanbietern.

Tiefengeothermie nutzt die in mehreren Kilometern Tiefe gespeicherte Erdwärme als nachhaltige und wetterunabhängige Energiequelle für die Fernwärmeversorgung. In einem geschlossenen Kreislaufsystem wird Wasser in tief liegende Gesteinsschichten geleitet, dort erwärmt und anschließend zur Nutzung an die Oberfläche zurückgeführt.

Für Halle (Saale) bietet die Tiefengeothermie das Potenzial, dauerhaft etwa 30 bis 40 MW Wärmeleistung bereitzustellen. Damit könnte sie einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung und langfristigen Sicherung der Fernwärmeversorgung leisten.

Bio- und Restabfälle aus Haushalten, Gewerbe und Industrie können einen wichtigen Beitrag zur klimafreundlichen Wärmeversorgung leisten. Nach einer mechanisch-biologischen Aufbereitung werden verwertbare Wertstoffe abgetrennt und aus den verbleibenden heizwertreichen Bestandteilen sogenannte Ersatzbrennstoffe hergestellt.

Diese werden in einer geeigneten Anlage energetisch genutzt. Die dabei entstehende Wärme erzeugt im Kraft-Wärme-Kopplungsprozess gleichzeitig Strom und Fernwärme. Über Wärmetauscher wird die Wärme in das Fernwärmenetz eingespeist und für die Versorgung von Haushalten und Unternehmen nutzbar gemacht.

Die in Halle (Saale) verfügbaren Ersatzbrennstoffmengen bieten ein Wärmepotenzial von rund 25 MW thermischer Leistung. Damit könnten etwa 20 Prozent des heutigen Wärmebedarfs gedeckt werden. Als geeigneter Standort bietet sich der Energiepark Trotha an. Ausschlaggebend sind die vorhandenen Flächen, die bestehende Genehmigung als Kraftwerksstandort, die direkte Anbindung an das Fernwärmenetz sowie die Möglichkeit, die Anlage in die vorhandene Kraftwerksinfrastruktur zu integrieren.

Als mögliche Option wurde die energetische Nutzung der in Halle anfallenden biogenen Reststoffe zur Biogaserzeugung betrachtet. Das damit verbundene Wärmepotenzial – überwiegend aus Biotonneninhalten und biogenen Anteilen der Restmüllfraktion (schwarze Tonne) – liegt bei 6,1 GWh/a.

Das Kraftwerk in der Dieselstraße ist technologisch bereits H₂-ready. Schon heute könnten bis zu 30 % Wasserstoff zur Stromerzeugung eingesetzt werden.

Die in Seen und Fließgewässern gespeicherte Umweltwärme bietet zusätzliche Potenziale für eine klimafreundliche Wärmeversorgung in Halle (Saale). Insbesondere der Hufeisensee und der Osendorfer See kommen grundsätzlich für eine Wärmenutzung infrage. Darüber hinaus verfügt die Saale über ein erhebliches theoretisches Wärmepotenzial.

Da sich diese Wärmequellen überwiegend außerhalb des bestehenden Fernwärmenetzes befinden, eignen sie sich vor allem für den Aufbau lokaler Nahwärmenetze und die Versorgung einzelner Quartiere.

Industrie- und Gewerbestandorte in Halle (Saale) verfügen über ein Abwärmepotenzial von rund 202.000 MWh pro Jahr. Die Potenziale wurden auf Grundlage öffentlicher Daten und eigener Analysen der EVH GmbH ermittelt und räumlich auf Baublockebene gebündelt. Damit bilden sie eine wichtige Grundlage für die zukünftige Nutzung industrieller Abwärme in der Wärmeversorgung.